AniMens bietet eine fundierte Ausbildung für Mensch und Hund, um den eigenen Hund in therapeutische Settings einzubinden. Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen nicht nur Methoden, sondern vor allem auch die Qualität der therapeutischen Beziehung, die Mensch-Hund-Interaktion sowie die verantwortungsvolle Einschätzung von Möglichkeiten und Grenzen zum Schutz des Hundes.
Wichtig ist dabei das Verständnis der Rolle des Hundes: Der Hund ist kein
Therapeut und kein gezielt steuerbares „Interventionsinstrument“, sondern ein
eigenständiges Lebewesen mit Bedürfnissen und Grenzen. Ziel der Ausbildung bei AniMens
ist es nicht, den Hund in eine „Therapiemaschine“ zu verwandeln, sondern ein
möglichst großes Verständnis der hundespezifischen Bedürfnisse und
Kommunikation zu erlangen und die Mensch-Hund-Beziehung zu stärken.
Teilnahmevoraussetzungen
Wer kann teilnehmen?
Die Ausbildung richtet sich an approbierte Psychotherapeut/innen, Psychotherapeut/innen in Ausbildung/Weiterbildung, Psychiater/innen sowie Fachkräfte in psychosozialen, pädagogischen oder klinischen Arbeitsfeldern mit direktem Kontakt zu Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Psychotherapeut/innen · Psychotherapeut/innen in Ausbildung · Psychiater/innen · Psychosoziale & klinische Fachkräfte
Eignungstest für das Mensch-Hund-Team
Die Teilnahme setzt einen bestandenen Eignungstest für das Mensch-Hund-Team voraus.
Rechtliche Hinweise
Die im Rahmen der Ausbildung vermittelten Inhalte beziehen sich auf die Anwendung hundegestützter Interventionen im jeweiligen beruflichen Kontext der Teilnehmer/innen. Die Ausbildung stellt keine eigenständige Heilerlaubnis dar und berechtigt nicht zur Ausübung von Psychotherapie ohne die hierfür erforderliche Qualifikation und staatliche Anerkennung.
Das Wohl des Hundes hat jederzeit Vorrang vor therapeutischen oder pädagogischen Zielsetzungen.
Der
Einsatz des Hundes erfolgt unter Beachtung tierschutzrechtlicher Vorgaben. Das
Wohl des Hundes hat jederzeit Vorrang vor therapeutischen oder pädagogischen
Zielsetzungen.
AniMens
behält sich vor, Teilnehmer/innen bei mangelnder Eignung des Mensch-Hund-Teams
oder bei tierschutzrelevanten Bedenken von der weiteren Teilnahme
auszuschließen.
Wirkmechanismen und Grenzen hundegestützter Interventionen im therapeutischen Kontext
Hundegestützte
Interventionen im psychotherapeutischen, psychiatrischen und psychosozialen
Kontext wirken nicht durch die Anwesenheit des Hundes an sich, sondern durch
die spezifische Qualität der Interaktion zwischen Klient/in, Therapeut/in und
Hund. Der Hund fungiert dabei als sozialer Interaktionspartner, dessen
Verhalten therapeutische Prozesse beeinflussen und unterstützen kann. Dafür ist
es essentiell, dass der Therapeut/die Therapeutin das Verhalten seines/ ihres Hundes
lesen und interpretieren kann. Nur so kann der Hund effektiv in den
therapeutischen Kontext einbezogen (z.B. Reflektion des Klient/innenverhaltens
an der Reaktion des Hundes) und vor allem auch vor Überlastung und
Überforderung geschützt werden.
Die Anwesenheit und Interaktion mit dem Hund wirken sich auf verschiedene Dimensionen der therapeutischen Arbeit aus. Zu Beginn der Therapie kann der Hund den Aufbau einer vertrauensvollen therapeutischen Arbeitsbeziehung unterstützen, indem er als „Eisbrecher“ fungiert. Er kann dabei soziale Sicherheit vermitteln und Bindungserfahrungen aktivieren. Die Forschung deutet sogar daraufhin, dass Menschen mit einem unsicheren Bindungsmuster zu Tieren eine sichere Bindung entwickeln und diesen Bindungstyp langfristig auch auf Mensch-Mensch Beziehungen übertragen können.
Die Anwesenheit und Interaktion mit dem Hund kann außerdem:
physiologische Erregung reduzieren
Zugang zu Emotionen erleichtern
Motivation zur Teilnahme an Übungen erhöhen
Vermeidungsverhalten reduzieren - neue Verhaltensweisen und Gedanken auszuprobieren und einzuüben
soziale Kompetenzen stärken
dabei unterstützen, Anspannung wahrzunehmen und zu regulieren
als Projektionsfläche („Was braucht der Hund gerade?“ und im nächsten Schritt „Was brauche ich gerade?“) die Wahrnehmung eigener Bedürfnisse unterstützen
Vermeidungsverhalten reduzieren
durch unmittelbares und nicht wertendes Feedback Ansatzpunkte für therapeutische Reflexion liefern
und vieles mehr
Dabei hängt die Wirkung hundegestützter Interventionen u.a. von der Qualität der Mensch-Hund-Beziehung, dem Training und der Belastbarkeit des Hundes, der therapeutischen Erfahrung der Fachperson, individuellen Klient/innen Merkmalen sowie kulturellen und biografischen Faktoren ab.
Hundegestützte Interventionen sind aber nicht in jedem Fall sinnvoll. Mögliche Kontraindikationen sind:
- ausgeprägte Angst vor Hunden
- aggressive Impulskontrollstörungen ebenso wie akute psychotische Erkrankungen
- Überforderung und Stressreaktionen des Hundes
- Allergien
- mangelnde Hygienemöglichkeiten
Der Hund sollte nur eingesetzt werden, wenn ein klarer therapeutischer Mehrwert zu erwarten ist. Der Einsatz erfolgt zielgerichtet und indikationsgeleitet, nachdem mögliche Kontraindikationen ausgeschlossen wurden. Zudem sollte der Einsatz reflektiert und begrenzt unter konsequenter Berücksichtigung des Tierwohls erfolgen.
Ziel hundegestützter Interventionen ist die Unterstützung bestehender therapeutischer Prozesse – nicht deren Ersatz. Die Qualität der therapeutischen Beziehung bleibt der zentrale Wirkfaktor.
Aufbau der Ausbildung und Kosten
Ziel der Ausbildung ist die fachlich fundierte und verantwortungsvolle Integration eines eigenen Hundes in psychotherapeutische Prozesse.
Die Teilnehmer/innen erwerben Kompetenzen in:
Der Einschätzung geeigneter Einsatzbereiche und Kontraindikationen
Den sicheren und ethisch verantwortlichen Führung ihres Hundes im Therapeutischen Kontext
Planung, Durchführung und Reflexion hundegestützter Interventionen
Wahrnehmung und Regulation von Belastungsgrenzen des Hundes
Der Hund wird dabei nicht als „Therapeut“ verstanden, sondern als Interaktionspartner, dessen Verhalten therapeutische Prozesse unterstützen kann.
Die Ausbildung soll außerdem auf die Erlaubnis nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes zum gewerbsmäßigen Einsatz von Tieren vorbereiten, die vor dem Einsatz des Hundes in therapeutischen Settings beim zuständigen Veterinäramt beantragt werden muss.
Zielgruppe
- approbierte Psychotherapeut/innen
- Psychotherapeut/innen in Ausbildung
- Psychiater/innen
- Fachkräfte in psychosozialen, pädagogischen oder klinischen Arbeitsfeldern mit direktem Kontakt zu Menschen mit psychischen Belastungen oder Erkrankungen.
Aufbau und Umfang
- Dauer: ca. 18 Monate
- Gruppengröße: 6–8 Teilnehmer/innen
- 6 Präsenzmodule (samstags 10-17 Uhr und sonntags 10-14 Uhr) sowie drei Online-Meetings zwischen den Präsenzmodulen zur Vertiefung von Themen und Klärung von Fragen
- Supervision: Gruppen- und Einzelsupervision (online)
Abschluss: theoretische, praktische und mündliche Prüfung
Kosten:
Die Kosten der Ausbildung betragen 3.800€.
Der Eignungstest wird separat berechnet. Eine Zahlung in Raten ist möglich. Die Kosten für Anreise, Übernachtung und Verpflegung sind nicht enthalten.
Achtung: Zu Beginn der Ausbildung muss ein tierärztliches Gesundheitsattest (inkl. Kotbefund) sowie der Impfausweis vorgelegt werden
Das Hund muss zu Beginn der Ausbildung mindestens 1 Jahr alt sein!
Die Ausbildung verbindet:
-
theoretische Wissensvermittlung
-
praktische Übungen mit dem eigenen Hund
-
Rollenspiele und Fallsimulationen
-
Videoanalyse
-
Supervision realer therapeutischer Prozesse
Ein besonderer Fokus liegt auf der kontinuierlichen Reflexion der eigenen therapeutischen Haltung sowie der Mensch-Hund-Interaktion.
Die Ausbildung basiert auf folgenden Prinzipien:
-
Vorrang des Tierwohls vor therapeutischem Nutzen
-
evidenzbasierte psychotherapeutische Arbeit
-
reflektierter und begrenzter Einsatz des Hundes
-
klare Indikationsstellung und Berücksichtigung von Kontraindikationen
-
kontinuierliche Selbstreflexion der Therapeut/innen
Veranstaltungsort
Die Ausbldung findet in der Indoor-Hundeschule
Mupfeldirwas in 34596 Bad Zwesten statt.

Module
Supervision und Praxisanteile:
Die Teilnehmer/innen dokumentieren im Verlauf der Ausbildungszeit zwei Behandlungsfälle, die im Rahmen von zwei Einzelsupervisionen (online) und einer Gruppensupervision (Modul 5) supervidiert werden.
Prüfung
Zum Abschluss des 6. Moduls findet die Abschlussprüfung statt.
Sie
besteht aus drei Bestandteilen:
-
Theoretische Prüfung
o Multiple-Choice
Test
-
Praktische Prüfung
o Demonstration
von Übungen mit dem eigenen Hund
o Einschätzung
des Hundeverhaltens
-
Mündliche Prüfung
o Vorstellung
und Reflexion eines eigenen Behandlungsfalls
o Begründung
von Interventionen und Entscheidungen
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmer/innen ein Zertifikat über die Teilnahme an der Ausbildung zum Therapie-Begleithunde-Team im Bereich Psychologie/Psychotherapie/Psychiatrie.
Das Zertifikat bestätigt die Teilnahme und die erbrachten Leistungen, stellt jedoch keine eigenständige Heilerlaubnis dar.
Nachprüfungen und Weiterbildungspflicht
Zur Qualitätssicherung und Aufrechterhaltung des Zertifikates findet innerhalb von zwei Jahren eine Nachkontrolle statt. In diesem Zusammenhang werden außerdem Weiterbildungsveranstaltungen angeboten.
Interesse, Fragen oder Anmeldung
Sie möchtest sich für die Ausbildung anmelden, haben noch Fragen oder möchten zunächst mehr über Ablauf und Voraussetzungen erfahren? Wir sind gerne für Sie da.
